Der Gaspreis 2026 wird für Stadtwerke wieder zur strategischen Frage. Kurz vor der Heizperiode steigen die Beschaffungskosten, während Kund:innen ihre Tarife genauer vergleichen. Gleichzeitig sind die deutschen Gasspeicher deutlich schwächer gefüllt als in den vergangenen Jahren. Für Versorger entsteht damit ein anspruchsvoller Spagat: Ein wettbewerbsfähiger Preis soll Kund:innen halten, muss aber auch unter schwierigeren Beschaffungsbedingungen tragfähig bleiben.
Die Wechselbereitschaft ist längst kein Randthema mehr. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wechselten 2025 rund 2,1 Millionen Haushalte ihren Gasanbieter. Der modellierte Neukundenpreis lag im Januar 2026 bei 9,6 Cent pro Kilowattstunde. Inzwischen hat sich das Bild verändert: Mitte September nennt Verivox für Neukund:innen durchschnittlich rund zwölf Cent pro Kilowattstunde.
Stadtwerke stehen damit vor einer bekannten Frage in neuer Schärfe: Wie attraktiv muss ein Tarif sein, damit Bestandskund:innen bleiben und neue Kund:innen gewonnen werden, ohne unnötig Marge und Beschaffungssicherheit preiszugeben?
Die Speicherlage erhöht den Druck. Mitte September sind die deutschen Gasspeicher nur ungefähr zur Hälfte voll und damit deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgungssicherheit dennoch gewährleistet. Deutschland kann inzwischen stärker auf LNG-Importe und Pipelinegas zurückgreifen. Ein niedriger Speicherstand bedeutet deshalb nicht automatisch eine Mangellage.
Für den Vertrieb ist damit jedoch noch keine Entwarnung verbunden. Entscheidend wird, zu welchen Konditionen Gas verfügbar ist. Genau darauf weist auch die ZfK hin: Müssen Restmengen an kalten Wintertagen kurzfristig nachgekauft werden, kann das teuer werden. Ein belastbarer Wintercheck des eigenen Gasportfolios gehört deshalb vor jede offensive Tarifstrategie.
Gerade in einem volatilen Markt bekommt Planungssicherheit einen eigenen Wert. Ein Stadtwerk muss deshalb nicht bei jeder günstigeren Wettbewerberofferte sofort nachziehen. Gut abgesicherte Tarife können Kund:innen einen Nutzen bieten, der über den niedrigsten Arbeitspreis hinausgeht.
Das gilt besonders für Preisgarantien. Sie wirken im Vertrieb nur dann überzeugend, wenn Einkauf und Kalkulation genügend Spielraum geschaffen haben. Wird heute aggressiv akquiriert und wenige Monate später nachjustiert, droht genau die Reaktion, die eigentlich verhindert werden sollte: Kund:innen beginnen erneut zu vergleichen.
,,Stadtwerke sollten sich vom Reflex lösen, jeden günstigeren Wettbewerberpreis mitgehen zu wollen. Entscheidend ist ein Tarif, der auch im Winter noch wirtschaftlich tragfähig bleibt und den Kund:innen nachvollziehbar erklärt werden kann.“
Marco Firll
Geschäftsleitung von VANCADO
Damit rückt auch die Kommunikation stärker in den Mittelpunkt. Kund:innen interessiert wenig, wie komplex Beschaffungsstrategien im Hintergrund sind. Sie wollen verstehen, weshalb sich ihr Preis verändert und welchen Vorteil ihnen ein stabiler Tarif bietet.
Hier liegt eine Chance für kommunale Versorger. Wer Preisstabilität verspricht, sollte ihren Wert nachvollziehbar machen. Eine transparente Erklärung kann mehr zur Kund:innenbindung beitragen als eine spätere Rückholaktion nach der Kündigung.
Beschaffung und Vertrieb sollten ihre Entscheidungen deshalb enger aufeinander abstimmen. Welche Mengen sind bereits abgesichert? Wie groß ist das Nachkaufrisiko? Und welchen Tarif kann das Stadtwerk auch dann vertreten, wenn der Winter teurer wird als erwartet?
Der richtige Gaspreis 2026 ist damit nicht automatisch der günstigste Preis im Vergleichsportal. Entscheidend ist ein Tarif, der wettbewerbsfähig bleibt und wirtschaftlich durchgehalten werden kann. Genau diese Verlässlichkeit kann für Stadtwerke in einem nervösen Markt zu einem echten Bindungsargument werden.